Selen spielt für die Schilddrüsenfunktion eine sehr wichtige Rolle. Ohne das Spurenelement könnten lebenswichtige Hormone nicht ausreichend produziert werden und es könnte zu schwerwiegenden Stoffwechselproblemen kommen.

In diesem Beitrag erfährst du, wie Selen im Detail auf die Schilddrüse wirkt. Zudem klären wir, in welchem Bezug ein Selenmangel zu einer Schilddrüsenunterfunktion oder anderweitigen Schilddrüsenerkrankungen steht.

Was ist Selen?

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Bei Selen handelt es sich um ein natürlich vorkommendes Spurenelement. Es ist für den Körper essentiell, da es maßgeblich an der Schilddrüsenfunktion, antioxidativen Abwehr und dem Immunsystem beteiligt ist.

Selen ist vor allem in Lebensmitteln zu finden, welche in selenhaltigen Boden heranwachsen. Als bekannteste Selenquelle gelten die Paranüsse. 100 g der Nüsse können dabei bis zu 2000 µg des Spurenelements enthalten. Nur zum Vergleich: Die empfohlene Tagesdosis für ausgewachsene Menschen liegt bei 60 – 70 µg.

Trotzdem gelingt es vielen Menschen nicht den täglichen Bedarf zu decken. Denn leider enthalten nur sehr wenige Lebensmittel ausreichende Mengen an Selen.

Ein langfristiger Mangel kann jedoch schwerwiegende Folgen haben. Daher muss das Spurenelement zwingend über die Nahrung aufgenommen werden. Besonders Autoimmunerkrankungen wie eine Hashimoto-Thyreoidits oder eine daraus resultierende Unterfunktion der Schilddrüse stellen eine große Gefahr dar. Darüber hinaus ergibt sich durch einen Mangel ein geschwächtes Immunsystem oder eine erhöhte Krankheitsanfälligkeit.

Eine Besonderheit von Selen ist, dass sowohl zu große-, als auch zu geringe Mengen dem Körper auf lange Sicht schaden können. Wie dies im Detail zu erklären ist, erfährst du in unserem umfangreichen Beitrag über Selen.

Was ist die Schilddrüse?

Die Schilddrüse ist mit etwa 10 cm Durchmesser ein sehr kleines, aber wichtiges Organ des menschlichen Körpers. Das auch als Hormondrüse bezeichnete Organ sorgt maßgeblich für Hormonproduktion und ist daher für sehr viele Stoffwechselfunktionen im Organismus entscheidend.

Als die bekanntesten und wichtigsten Hormone, die in der Schilddrüse hergestellt werden, gelten Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). Die Bildung dieser Hormone ist dabei maßgeblich von Jod und Selen abhängig. Während Thyroxin 4 Jod-Atome besitzt (T4), enthält Trijodthyronin nur 3 Jod-Atome (T3).

Die weiteren in der Schilddrüse produzierten Hormone wirken vor allem auf:

  • Herz-Kreislauf-System
  • Nerven und Muskeln
  • Energiestoffwechsel
  • Kohlenhydrat-, Fett- und Eiweißstoffwechsel
  • Gehirnfunktion
  • Darmfunktion

Diese wichtigen Aufgaben übernimmt die Schilddrüse aber nicht im Alleingang. Für die Steuerung des Organs ist nämlich unser Gehirn zuständig. Genauer gesagt die sogenannte Hypophyse und der Hypothalamus. Es handelt sich dabei um Teile des Gehirns, welche neben der Steuerung der Schilddrüse auch das vegetative Nervensystem kontrollieren.

Selen und die Schilddrüse

Die meisten Selenverbindungen im Köper sind in der Schilddrüse zu finden. Dies hat gute Gründe, denn ohne das Spurenelement kann das Organ nicht ordnungsgemäß arbeiten (1).

Selen ist beispielsweise erforderliche um die Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) herzustellen. Dabei gilt Thyroxin als Vorläuferhormon für das Hormon Trijodthyronin.

Beide Hormone spielen eine entscheidende Rolle im Stoffwechsel. Sie regulieren unter anderem den Energieumsatz des Körpers und passen ihn entsprechend an äußerliche Umstände wie Kälte oder Wärme an. Darüber hinaus wird der Energieumsatz auch bei körperlicher Belastung oder Ruhephasen je nach Bedarf angepasst.

Neben diesen Hormonen hängt auch die Bildung selenhaltiger Proteine von einer ausreichenden Selenzufuhr ab. Ein Beispiel dafür ist Glutathionperoxidase. Es handelt sich dabei um eine selenhaltige Enzymgruppe, welche an der körpereigenen Entgiftung beteiligt ist. Wenn also ein Selenmangel vorliegt, können Entgiftungsprozesse nicht ordnungsgemäß ablaufen.

In dem folgenden Video ist wird der Bezug zwischen Selen und der Schilddrüse nochmal anschaulich erklärt.

Schilddrüsenunterfunktion

Von einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) spricht man, wenn die Schilddrüse in ihrer Hormonproduktion eingeschränkt ist. Es handelt sich dabei um eine der häufigsten Stoffwechselerkrankungen, von welcher Frauen öfter betroffen sind als Männer.

Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse werden zu wenig Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) produziert. Wie wir bereits gesehen haben, sind diese beiden Hormone für sehr viele Stoffwechselfunktionen relevant. Die Symptome eines solchen Hormonmangels sind daher häufig Müdigkeit, Gewichtszunahme, Niedergeschlagenheit oder Verstopfung.

Die Entstehung einer Schilddrüsenunterfunktion kann vielseitige Ursachen haben. Sie kann entweder angeboren sein oder auch im Erwachsenenalter durch eine Entzündung entstehen.

Angeborene Schilddrüsenunterfunktion

Etwa 1 von 4000 Neugeborenen leidet bereits bei der Geburt unter einer Schilddrüsenunterfunktion. Diese kann einerseits dadurch bedingt sein, dass die Schilddrüse nicht vorhanden ist (Athyreose), andererseits kann sich die Schilddrüse im Mutterleib fehlerhaft entwickelt haben (Schilddrüsensysplasie).

In solchen Fällen ist das Neugeborene voraussichtlich das gesamte Leben auf Hormontabletten angewiesen um die Schilddrüse zu ersetzen.

Erworbene Schilddrüsenunterfunktion

Eine Schilddrüsenunterfunktion, welche erst im Erwachsenenalter auftritt, ist meist die Folge einer chronischen Entzündung der Schilddrüse. Mit etwa 80% ist die sogenannte Hashimoto-Thyreoiditis die häufigste Form der Schilddrüsenentzündungen.

Es handelt sich dabei um eine Autoimmunerkrankung. Das bedeutet, dass der Körper die Schilddrüse nicht als eigenes Gewebe erkennt und daher Antikörper dagegen bildet. Durch die daraus resultierende Entzündung wird Schilddrüsengewebe zerstört und die Funktion nach und nach immer mehr beeinträchtigt, bis man schließlich von einer Unterfunktion spricht.

Selen bei einer Schilddrüsenunterfunktion

Zwar ist die Ursache einer Hashimoto-Thyreoiditis noch nicht eindeutig geklärt, jedoch zeigte sich in Studien, dass niedrige Selen-Serumspiegel mit einem erhöhten Risiko einer Hashimoto-Thyreoiditis bzw. Schilddrüsenunterfunktion in Verbindung stehen (2).

Auch bei bereits betroffenen Personen einer Hashimoto-Thyreoiditis erwies sich Selen als hilfreich. Die regelmäßige Einnahme von Selen in Form von 200 µg Natriumselenit konnte die Entzündungsaktivität senken und das allgemeine Wohlbefinden betroffener Personen verbessern.

Es sind jedoch weitere Forschungen in diesem Bereich notwendig um Selen als präventives bzw. wirksames Mittel gegen Schilddrüsenerkrankungen einzustufen.

Kann ein Selenmangel eine Schilddrüsenunterfunktion verursachen?

Selen sorgt für die Produktion der Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). Wenn dem Körper über einen langen Zeitraum zu wenig Selen zur Verfügung steht, so wird auch die Bildung dieser Hormone beeinträchtigt. Im schlimmsten Fall kann dies zu einer Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) führen.

Als Folge dieser mehr oder weniger stark ausgeprägten Schilddrüsenunterfunktion können zusätzlich Krankheitsanfälligkeit, Blutarmut, blasse Haare und Nägel, sowie eine verringerte Spermaqualität auftreten.

Risikogruppen für einen Selenmangel sind vor allem Menschen die sich sehr einseitig oder vegan ernähren. Grund dafür ist, dass nur sehr wenige Lebensmittel ausreichende Mengen an Selen enthalten. In den meisten Fällen sind dies jedoch tierische Lebensmittel wie Fisch. Für Veganer bietet sich daher eine Nahrungsergänzung mit Selen an.

Um einen Mangel vorzubeugen werden daher von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für erwachsene Menschen zwischen 60 und 70 µg Selen empfohlen. Als maximale und dennoch unbedenkliche Dosis gilt 300 µg Selen.

Fazit

Selen ist für die einwandfreie Funktion der Schilddrüse unerlässlich. Das Spurenelement ist neben Jod für die Produktion von unterschiedlichsten Hormonen zuständig. Die Hormone sind wiederum an fast allen Arten von Stoffwechselfunktionen beteiligt.

Ein langfristiger Mangel kann demensprechend viele Körperfunktionen beeinträchtigen und unter Umständen sogar eine Schilddrüsenunterfunktion hervorrufen. Studien deuten zudem darauf hin, dass chronische Entzündungen wie die Hashimoto Thyreoiditis in Verbindung mit einem niedrigen Selenspiegel stehen.

Dies unterstreicht nochmal die Notwendigkeit den täglichen Selenbedarf von 60 – 70 µg zu decken. Zwar können Menschen mit einer ausgewogenen Ernährung diesen Bedarf im Normal über Lebensmittel wie Fisch oder andere tierische Produkte abdecken, jedoch gelingt es den wenigsten.

Da Selen zudem nur in sehr wenigen (vorwiegend tierischen) Lebensmitteln zu finden ist, haben es Veganer oder Menschen mit einer einseitigen Ernährung besonders schwer. In diesen Fällen bietet sich eine Nahrungsergänzung besonders an.

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